Neufracher Osterweg 2020

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
In der Kirche in Neufrach ist in der Karwoche bis Ostermontag ein Osterweg entstanden. Er will alle, die in die Kirche kommen, auf ihrem Weg gedanklich begleiten. Meditationstexte zum Mitnehmen liegen für jede Station aus. Speziell für Karfreitag ist eine Klagemauer entstanden. Es werden Zettel bereitlegen, auf denen man seine persönlichen Anliegen aufschreiben und in die Klagemauer stecken kann, auch nach Ostern noch. Bitte bringen Sie ihren eigenen Stift mit!
Der Osterweg wird bis Pfingsten liegen bleiben. Wir laden ein, ihn zu besuchen und zu meditieren. Natürlich gilt: Abstand halten!

 
 

Palmsonntag:

Die Leute aber, die vor ihm hergingen und die ihm folgten, riefen: Hosanna dem Sohn Davids! Gesegnet sei er, der kommt im Namen des Herrn. Hosanna in der Höhe! (Mt 21, 9)
Heute am Palmsonntag beginnt die Heilige Woche. Sie beginnt mit Hosanna-Rufen und Jubel!
Wir stehen aber am Anfang des Weges. Die Begeisterung der Menschen hält nicht lange an. Ein paar Tage später ist es nicht mehr „Hosanna“, sondern „Kreuzige ihn“.
In dieser Zeit lebt Jesus die Kraft der Liebe. Sie ist stärker als der Tod.
Für uns: die Palmzweige können ein Zeichen unserer Liebe und Treue sein.
 
Frage zum Nachdenken:
  • Wo in meinem Leben spielt das „Hosanna“ eine Rolle?
  • Fällt es mir leicht, diesen Jubel auch durchzutragen, wenn schwierigere Zeiten kommen?
 
Gebet:
Jesus, du sollst mein König sein!
Hosianna, ich lobe dich.
Hosianna, ich preise dich.
Hosianna, mein Herz jubelt dir zu.
Ich bitte dich:
Zieh auch bei mir ein!
Amen.

 

Montag:

Jesus fragte ihn: Was soll ich dir tun? Der Blinde antwortete: Rabbuni, ich möchte wieder sehen können. Da sagte Jesus zu ihm: Geh! Dein Glaube hat dir geholfen. Im gleichen Augenblick konnte er wieder sehen, und er folgte Jesus auf seinem Weg. (Mk 10, 51 f.)

Jesus bringt mich zum Sehen
Auch zwischen Palmsonntag und Gründonnerstag wird Jesus nicht aufgehört haben, das zu tun, was er immer getan hat: Für die Menschen da zu sein.
Er hilft uns Menschen, unsere Blindheit abzulegen und mit offenen und vorurteilsfreien Augen in die Welt zu schauen. Eigentlich hat nicht Jesus ihn geheilt, sondern der Blinde wurde durch seinen Glauben wieder sehend. Aber er brauchte den Zuspruch Jesu dafür.
 
Fragen zum Nachdenken:
  • Von welcher Blindheit soll Jesus mich heilen?
  • Was weigere ich mich zu sehen, damit ich nicht handeln muss?
 
Gebet:
Jesus, du vermagst uns Menschen von allem zu heilen, was uns daran hindert, das Leben zu führen, das du für uns gedacht hast. Heile mich von meinen Blindheiten, damit ich nicht mehr wegschaue und die Verantwortung übernehme, die du mir zugedacht hast. Amen.

 
 

Dienstag: 

Jesus blickte zum Himmel auf, seufzte und sagte zu dem Taubstummen: Effata!, das heißt: Öffne dich! Sogleich öffneten sich seine Ohren, seine Zunge wurde von ihrer Fessel befreit und er konnte richtig reden. …Außer sich vor Staunen sagten sie: Er hat alles gut gemacht; er macht, dass die Tauben hören und die Stummen sprechen. (Mk 10, 51 f.)
Jesus bringt mich zum Hören und Sprechen
Manchmal fehlen uns die Worte, manchmal mögen wir auch gar nicht mehr zuhören. Tag für Tag prasselt das Geschehen auf der Welt auf uns ein und wir würden uns gerne abschotten. Manchmal braucht es das auch für unsere eigene Gesundheit. Manchmal braucht es aber auch den Mut, hinzuhören, hinzuschauen und dann auch den Mund aufzumachen. Möge Jesus uns auch von unseren Fesseln befreien!
 
Fragen zum Nachdenken:
  • Zivilcourage: Kann ich das?
  • Wie steht es um meinen Mut, Stellung zu beziehen, auch wenn ich damit vielleicht gegen den Strom schwimme?
 
Gebet:
Herr, öffne unsere Augen, damit wir deine Werke erkennen und dich preisen. Klopfe an unseren Herzen an, bis wir dich hereinlassen und mit dir gemeinsame Sache machen. Schenke uns die Bereitschaft zur Versöhnung und gegenseitiger Annahme. Mache uns zu einem Werkzeug deines Friedens. Amen. (Nach Jörg Müller)

 
 
 

Mittwoch:

Ich sage dir: Steh auf, nimm deine Tragbahre, und geh nach Hause! Der Mann stand sofort auf, nahm seine Tragbahre und ging vor aller Augen weg. Da gerieten alle außer sich; sie priesen Gott und sagten: So etwas haben wir noch nie gesehen. (Mk 2, 11 f., ganze Geschichte in der eigenen Bibel lesen)

Quelle: Winfried Neumann

Jesus bringt mich in Bewegung
Die Geschichte lädt uns ein, über unsere eigenen Lähmungen nachzudenken. Wenn wir Angst haben, dann sind wir bewegungslos, die Kraft, unsere ganze Energie ist weg. Wenn wir nicht weiterwissen, dann brauchen wir vielleicht Menschen, die uns zu Jesus tragen, zu einem, der das von uns nimmt, was uns lähmt.
 
Fragen zum Nachdenken:
  • Traue ich mich, meinen eigenen Lähmungen nachspüren?
  • Habe ich den Mut, meine eigene Ohnmacht auch einmal auszuhalten und mir helfen zu lassen?
 
Gebet:
Herr, ich habe Angst. Sie lastet auf meiner Seele und schnürt mir die Kehle zu. Ich bin wie gelähmt. Herr, hörst du mich? Heile mich, nimm die Ängste weg und verschaffe mir Luft zum Atmen, Mut, wieder Schritte zu gehen. Nimm meine Fesseln von mir! Ich vertraue voll Hoffnung auf dein befreiendes Wort. (Nach Jörg Müller)

 
 

Gründonnerstag:

Tut dies zu meinem Gedächtnis! (Lk 22, 19)Ich habe euch ein Beispiel gegeben, damit auch ihr so handelt, wie ich an euch gehandelt habe.(Joh 13, 15)
Jesus schenkt uns den Blick für das Wesentliche
Zwei Geschichten, zwei Ansagen: Jesus weiß, dass seine Tage gezählt sind. Er will, dass die Verbundenheit bleibt, das Gedächtnis. Und dazu: Dass es nicht beim Gedächtnis bleibt. Es braucht den Blick für den Nächsten: „Ihr sollt füreinander da sein. Und für alle, die euch begegnen.“
 
Fragen zum Nachdenken:
  • Wie stark bin ich mit Jesus persönlich verbunden?
  • Habe ich meinen Nächsten genug im Blick?
Gebet:
Herr, du hast den Jüngern gesagt, was sie tun sollen, wenn du nicht mehr für sie da sein kannst. Das ist dein Vermächtnis auch für unsere Kirche und für mich selbst. Schenke mir immer wieder deinen Geist, der mich wach hält, dein Gedächtnis zu bewahren, und der mir die Kraft schenkt, das auch im täglichen Leben umsetzen zu können. Darum bitte ich dich! Amen.

 

Karfreitag:

 
Jesus nimmt uns mit in das Dunkel unsrer Nacht
Hinterher ist man immer schlauer. Es war ein römischer Hauptmann, der diese Wahrheit für sich entdeckte: „Gottes Sohn war dieser!“ Da waren Petrus und alle anderen schon nicht mehr dabei. Sie brauchten erst ein paar Anläufe an Ostern, um das Entscheidende zu verstehen. Und um zum Glauben zu kommen. Die Geschichte des Karfreitags war aber erst einmal eine Geschichte des menschlichen Scheiterns. Scherben, wohin das Auge blickte.
 
 
Fragen zum Nachdenken:
  • Wo in meinem Leben bin ich wie Judas, der Jesus verriet?
  • Wo in meinem Leben bin ich wie Petrus, der Jesus verleugnete?
  • Wo in meinem Leben bin ich wie Veronika, die Jesus das Schweißtuch reichte?
  • Wo in meinem Leben bin ich wie Simon von Kyrene, der Jesus das Kreuz tragen half?
  • Wo in meinem Leben bin ich wie Maria und Johannes, die als letzte am Kreuz wachten?
 
Gebet:
Allmächtiger, ewiger Gott, durch das Leiden deines Sohnes hast du den Tod vernichtet, der vom ersten Menschen auf alle Geschlechter übergegangen ist. Nach dem Gesetz der Natur tragen wir das Abbild des ersten Adam an uns; hilf uns durch deine Gnade, das Bild des neuen Adam in uns auszuprägen und Christus ähnlich zu werden, der mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit. Amen. (Aus der Karfreitagsliturgie)

 

Karsamstag:

…Hinabgestiegen in das Reich des Todes…
Jesus ist solidarisch bis in den Tod hinein
Der Karsamstag ist der Tag der Abwesenheit des Herrn. Er ist nicht mehr bei den Lebenden. Die Kirchen sind leergeräumt, keine Glocken, keine Orgel.
Jesus ist bei den Toten! Solidarischer geht es nicht mehr! Und hoffnungsvoller eigentlich auch nicht. Jesus wird bei uns sein in unserem eigenen Tod. Und er ist immer da bei den kleinen Toden, die wir erleben. Vielleicht muss noch manches in uns sterben, damit wir die Auferstehung dann auch wirklich erleben können.
 
Frage zum Nachdenken:
  • Wie steht es um meine eigene Hoffnung, wenn ich an Sterben und Tod denke?
Gebet:
Herr, steh mir bei, wenn ich alles loslassen muss. Wenn du mich rufst, lasse es ein Ruf zum himmlischen Leben sein. Es fällt mir nicht leicht, loszulassen. Da sind Ängste und Ungewissheiten, viele Verletzungen, die nicht geheilt sind. Vergib mir Herr, so wie auch ich vergebe. Erweise dich gnädig in meiner eigenen Todesstunde. Deine Engel und die Fürsprache deiner Heiligen mögen mich begleiten. (Nach Jörg Müller)

 

Ostersonntag:

Geht hinaus in die ganze Welt und verkündet das Evangelium der ganzen Schöpfung (Mk 16, 15)
 
Jesus schickt dich ins wahre Leben
„Der Karfreitag zeigt, wozu der Mensch fähig ist, Ostern zeigt, wozu Gott fähig ist.“Der Tod hat nicht das letzte Wort. Das Leben darf neu beginnen, bekommt wieder eine Zukunft. Welche Aussicht in unserer jetzigen Zeit!Die Erfahrung von Ostern ist verbunden mit einem Auftrag. Die Erfahrung von Auferstehung kann nicht geheim bleiben, darf es nicht: „Geht hinaus“! Macht es bekannt! Erzählt es weiter! Nicht nur von Haus zu Haus, sondern sogar der ganzen Schöpfung. Glaube und Verantwortung gehören zusammen. Von Anfang an.
 
Heute keine Fragen zum Nachdenken. 
Einfach nur erleben und wirken lassen:
 
Der Herr ist auferstanden.
Er ist wahrhaftig auferstanden.
Halleluja.

 

Ostermontag:

 
Jesus lässt unser Herz brennen
„Im Dunkel unsrer Nacht entzünde ein Feuer, das niemals verlöscht“, so heißt es in einem Lied aus Taizé. Blind und niedergeschlagen sind sie unterwegs, die zwei Jünger. Jesus ist bei ihnen, sie merken nicht einmal, dass Er es ist. Erst als er das Brot bricht, geht ihnen ein Licht auf und sie spüren, was auf dem Weg passiert war. Jetzt brauchen sie Jesus nicht mehr, um zu verstehen. Und sie gehen ihren eigenen neuen Weg – zurück nach Jerusalem.
 
Fragen zum Nachdenken:
  • Welches Dunkel meiner Nacht soll erleuchtet werden?
  • Bin ich bereit, auf sein Wort zu hören und mich entzünden zu lassen?
Gebet:
Herr, ich suche dich. Zeige dich, Herr! Verändere mich! Öffne mir die Augen und lass mich erkennen, wie tief du dich zu uns herabbeugst. Nicht erhabene Worte können dich offenbaren, sondern Schweigen. Nicht der Verstand vermag dich zu erkennen, sondern das Herz. Nicht viele Opfer beeindrucken dich, sondern das Vertrauen. Schenke mir die Fähigkeit zum Schweigen, zum Hören, zum Sehen. Amen. (Jörg Müller)