Die Geschichte von Wintersulgen reicht sehr weit zurück. Die erste urkundliche Erwähnung stammt aus dem Jahr 849, als der Bischof von Konstanz Grundbesitz an das Kloster Sankt Gallen abtrat. Die heutige Kapelle ist in der Barockzeit gebaut worden und wurde zuletzt 1895 um die dritte Fensterachse verlängert. Der Raumkörper mit seinen ausgewogenen Maßverhältnissen hat eine harmonische Wirkung.
Die Kapelle ist der Jungfrau Maria geweiht, welche als prächtige Schutzmantelmadonna im Altar an der Stirnseite zu sehen ist. Mit der aufblühenden Marienverehrung im Spätmittelalter tritt Maria als „Mater omnium“ (Mutter aller) auf. Maria ist anmutig, mädchenhaft und schlank. Sie birgt in ihrem schalenförmig geöffneten Mantel dicht gedrängte Figuren von geistlichen und weltlichen Repräsentanten. Die eine Seite gehört der Geistlichkeit. Dargestellt sind ein Papst, ein Kardinal, ein Bischof, andere Kleriker sowie Mönche und Nonnen. Gegenüber erscheinen Kaiser, König und Herzog sowie Bürgerinnen und Bürger. Die schöne Schutzmantelmadonna wird dem Meister Melchior Binders aus Hundersingen zugeschrieben und stammt aus dem 16. Jahrhundert.
Als Titularfest wird Sankt Wendelin gefeiert. Von ihm ist eine spätgotische Heiligenfigur an der Wand zu sehen. Wendelin ist als Viehheiliger und Hirtenpatron ein sehr volkstümliches und charakteristisches Patronat. Und so verwundert es nicht, wenn in der bäuerlichen Umgebung von Wintersulgen die Menschen in Sankt Wendelin einen Beschützer und Fürsprecher bei Gott gesehen haben.
Als weitere Für- und Bittsprecherin ist eine Statue der Heiligen Apollonia zu sehen. Sie wurde als Schutzpatronin aller an Zahnschmerzleidenden über Jahrhunderte hinweg angerufen. Aus dem 19. Jahrhundert stammen die die Figur des Heiligen Sebastians und eine Pieta.