Wie aus einer tristen Rasenfläche nicht nur eine Augen-, sondern auch eine Bienenweide und ein Lebensraum für abertausende Wiesenbewohner wird, das kann zurzeit besonders schön um die St. Bartholomäus Kirche in Röhrenbach beobachtet werden. Nachdem die Fläche jahrelang intensiv nahezu wöchentlich mit dem Rasenmäher bearbeitet wurde, wurde sie letztes Jahr Ende April mit einer mehrjährigen Blumenwiesenmischung eingesät. Letzten Sommer erblühten dort die ersten einjährigen Feldblumen und in diesem Jahr ist sie bereits eine Blumenwiese, wie die ältere Generation sie noch aus früheren Zeiten kennt, mit Margeriten, Wiesensalbei, Flockenblumen, Witwenblumen und vielen mehr. Diese Fläche wird nur noch zweimal im Jahr gemäht. Bis Mitte Juni wird sie in voller Blüte stehen und demonstrieren, dass es keinen Grund gibt, einen Rasen zu pflegen, wo man keinen braucht.
Manch einer ist überrascht, im kleinen Ort Röhrenbach einen so imposanten Kirchenbau zu sehen. Es handelt sich um eine sogenannte „Leutekirche“, deren Ursprünge mindestens ins 13. Jahundert zurückgehen dürfte. Im 16. Jahrhundert wurde das 5. Kirchturmgeschoss im Renaissancestiel aufgesetzt, welches sehr an den Glockenturm im Heiligenberger Schlossvorhof erinnert. Das ist beileibe kein Zufall, beide stammen vom selben Baumeister JörgSchwarzenberger.
Die ehemals barocke Kirchturmhaube wurde 1883 durch einen neugotischen Spitzhelm ersetzt. In diesem Zuge wurden die Uhren eingesetzt, die der Zeiteinteilung für liturgische Zwecke, sowie der Einteilung des Arbeitstages dienten. Das „Angelusläuten“ ruft seit jeher zum Gebet um das öffentliche Wohl und den Frieden in der Welt und erinnert an die Menschwerdung Gottes.
Der Innenraum der Kirche ist überraschend schlicht gehalten. Als besonders markanten Blickfang gilt das Kruzifix im Chor aus dem 15. Jahrhundert. Der Betende sieht auf zum geschundenen Leib Christi und es liegt ihm sogleich der Vers aus dem Kirchenlied „Oh Haupt voll Blut und Wunden, voll Schmerz und voller Hohn“ auf den Lippen. Und aus dem ersten Blick wird „Compassio“, das Mitleiden.
Am linken Seitenaltar befindet sich eine Strahlenkranz-Madonna aus der Ulmer Schule Ende des 15. Jahrhunderts, am rechten Seitenaltar ist eine Anna Selbdritt zu sehen. Die Figur ist eine Kopie, das Original aus dem 16. Jahrhundert ist in der Schlosskapelle zu sehen. In dieser Zeit lässt sich ein ungeahnter Aufschwung der St. Anna-Verehrung feststellen, weswegen zahlreiche St. Anna-Bruderschaften entstanden sind. So wurde St. Anna zur Konpatronin in Röhrenbach.